Just another „former“ french colonie

Juli 2, 2009

Die verfassung ist hier nichts mehr wert. Genau genommen gibt es sie nicht mehr. Sie wurde außer kraft gesetzt. Genau wie kurz zuvor das parlament aufgelöst wurde. Vom amtierenden präsidenten Mamadou Tandja. Nach zwei amtszeiten ist im niger eigentlich schluss für einen präsidenten. Doch Tandja hat ein referendum präsentiert, welches die diesjährigen wahlen aussetzt und seine amtszeit um drei jahre verlängert. Nachdem er seinen premier minister abgesegt hat, hat sich seine partei gespalten. Trotzdem der premier Hama Amadou im wüstengefängniss versauerte, bekam er die regierungspartei nicht hinter sich. Somit kam das referendum nicht durchs parlament und er löste dieses daraufhin auf. Als sich endlich das verfassungsgericht zu wort meldete, löste er dieses auch auf. Danach kam die verfassung dran und es wurde der ausnahmezustand ausgerufen. Die letzte republikanische institution ist nun noch die armee. Noch ist sie „neutral“ und schützt nur das land als ganzes. Ende der neunziger gab es ein ziemlich ähnliches schauspiel, worauf die armee den präsidenten Ibrahim Barré Maïnassara mit 12,7mm geschossen am flughafen endgültig stoppte. Da Tandjas macht nicht in der armee basiert ist, hat er wenig chancen auf erfolg. Viele meinen deshalb es ist eine kalkulierte flucht vor der verfolgung seiner korruptionsskandale nach seinem abtritt. In die autokratie oder den tod. Denn die frage, ob man ihm etwas nachweisen können würde stellt sich niemandem. Ich denke nur an das „programme special tandja“, in dem unter anderem lebensmittel unter marktpreis verkauft wurden. -lebensmittel die, unter anderem von pakistan, während der hungersnot gespendet wurden, dem darbendem volk aber vorenthalten blieben. Während des verkaufs dieser reissäcke – immer zu muslimischen feiertagen – schallte es dann aus allem radios (staatliche sender) dass der großartige präsident Tandja so gütig wäre und jeder familie ein reiches fest bescheren will, mit seinem „PROGRAMME SPECIAL TANDJA!“. Das wars erstmal von hier zur lage. Ach, bevor ichs vergesse: die nichtstaatlichen fernsehsender wurden auch schon dichtgemacht.

Le monde et mon camion sauvage

Juni 19, 2009

Nach vielen aufregenden Reisen ist es Zeit die Erlebnisse zu kommunizieren ! Im Mai bin ich mit Urs (auch Freiwilliger) im Reisebus durch Benin knapp 1.300 Kilometer nach Togo gefahren. Um 5 Uhr morgens wurde der Bus in Niamey beladen. Bus ist natürlich nicht gleich Bus… :

Guantanamo Bay war gestern, Guantanamo Bus ist heute!

Guantanamo Bay war gestern, Guantanamo Bus ist heute!

Bis auf die komfortableren neuen chinesischen kommen die meisten Busse aus der Elfenbeinküste. Dort warden Mercedes Actros Motoren (Mercedes’ stärkste LKW Motoren) in dort produzierte Karosserien verbaut. Statt vier halbwegs gemütlichen Sesselreihen haben diese Monster fünf schmalere Reihen zu Sitzen geschweißter Eisenstangen. Darüber gibts noch drei Zentimeter Küchenschwamm ähnliche Polster und Kunstlederbezug. Wenn ich mit der rechten Schulter am Fenster lehnte war meine Linke schon ein Viertel auf Urs’ vorgedrungen. Die Fahrt nach Lomé (Togos Hauptstadt) dauerte 19 Stunden mit zwei Mal 10 Minuten Pause. Mindestens genauso skurril wie der Bus war aber der Fahrer. Dieses “Tier” fuhr nämlich ohne Fahrerwechsel durch! Und in den zwei Pausen fuhr er anstatt zu essen tanken. Um Pinkelpausen zu vermeiden trank er nichtmal… Wir saßen vorn neben ihm – was alles andere als beruhigend war – und konnten beobachten, dass alles was er zu sich nahm ein paar Kaugummis und zwei Orangen waren. Doch für Späße, wie so tun als führe er ohne uns los als wir aßen, hatte er immernoch genug Energie. Dann fuhr er nach kurzem hupen (was “alle einsteigen, sofort” bedeutet) von der Station wo alle aßen und aufs Plumpsklo gingen ruckartig und laut lachend los. Alles rannte los, bis auf Urs. “Da alle schon rannten”, stopfte der sich noch drei Happen Nudeln rein, bevor auch er den Löffel fallen ließ  Es gibt im Niger bestimmte Tee-stände, an denen Fernfahrer einfach gefragt werden “von wo bis wo?”. Dann bekommt man seine Mischung die wach halt. Ich glaube das wird mit Tramadol/Tramol Tabletten gemacht. Die werden auch von Nachtwächtern, Bauern in der Regenzeit, Taxifahrern oder auch Dauerklönern auf dem Dorf genommen. – Nigerianische, nicht in der Apotheke erhältliche Amphetamine (auch Extasy genannt ). Mit der Dröhnung ist der gute Fahrer dann durch jedes Schlagloch geheizt und hat auch mal die Straße gen Busch verlassen, wenn er überholen wollte oder Stau war. – Auf Terrain, welches andere selbst mit einem Geländewagen meiden würden. Eine Abkürkzung wurde zwischen Hin- und Rückfahrt für Reisegesellschaften sogar verboten. Als wir dann endlich kurz nach Mitternacht in Lomé ankamen schien alles wieder im Reinen. Nur hatte die Fahrt spuren hinterlassen. Urs hatte wegen dem Luftzug im Bus eine Entzündung des äußeren Gehörgangs und ich Nierenkoliken wegen der schlechten Sitzposition. In Lomé gesellte sich dann noch ein Schweizer Schulfreund von Urs zu uns, der sich die Chance Afrika zu entdecken nicht nehmen lassen wollte. Als wir dann nach gut einer Woche auskuriert waren, fingen wir endlich an, die knapp zwei verbleibenden zum Entdecken zu nutzen. Wir schwammen an der für ihre Rippströmungen bekannten Sklavenküste: IMG_1063, deckten uns mit Klamotten, auf dem wohl alles Erdenkliche feilbietenden Grand Marché, ein, fuhren mit wahnsinnigen Motorradtaxifahrern durch die Städte, aßen die besten Ananas und Mangos der Welt, feierten meinen Geburtstag: IMG_0976, duschten im Wasserfall von Kpalimé (mit der besten Ananas meines Lebens in der Hand): IMG_1021, besichtigen dort noch einen von Jugoslawiens Tito gebauten Staudamm in den Bergen an und, und, und… Und fuhren mit einer Piroge auf die Halbinsel Togoville, der Togo seinen Namen verdankt. Dort kamen 1884 Kaiser Wilhems Schutztruppen unter Gustav Nachtigalls Führung an und unterzeichneten mit König Plakoo M’lapa von der Volksgruppe der Mina den Schutzbrief, der ein großes Gebiet Westafrikas in deutsches Protektorat – Togoland – überführte. In Togoville legten wir am selben Strand wie vor einigen Jahren Papst Johannes Paul II an. Nur das dieser mit einem eigenen „Wasser Papamobil“ kam. Nachdem wir Geschenke bei einer lokalen Kunsthandwerker Kooperative gekauft hatten wurden wir zum Platz der deutsch-togoischen Freundschaft geführt. In der Nähe hat uns der Erbprinz, ein Urenkel Plakoo M’lapas, im Musée traditionnel empfangen und uns neben dem Grab seines Vorfahren und einigen Reliquien der Seefahrer von 1884 leidenschaftlich in die Geschichte der später französischen Kolonien eingeführt. Nicht zu vergessen, habe ich alte Schulfreunde aus meiner Zeit als Austauschschüler wieder gesehen. In der dritten Woche fuhren Urs und sein Freund ein paar Tage früher als ich ab und hatten mit ihrer Rückfahrt von 32,5 Stunden weniger Glück als ich mit meiner (26). Die Rückfahrt wird durch den Zoll mit seinen Korrupten Beamten verlangsamt. Wird nicht ausreichend geschmiert, gibt’s Bummelstreik. Als ich dann endlich in Niger ankam hatte ich gerade mal vier Tage bevor es 900 Kilometer in die ehemalige Hauptstadt des Niger, Zinder: IMG_1137, zum Zwischenseminar ging. Ja, dreimal darf man raten – im Bus (13 Stunden). Aber nun war ich trainiert, im Sitzfleisch kaputtsitzen! Nach einer Woche vom ded unterstütze Projekte kennenlernen habe ich mir noch etwas Urlaub genommen, um eine befreundete Entwicklungshelferin in Maradi, capitale économique, zu besuchen (ein Klacks von drei Stunden im Bus). Nach der Erkundung dieser weiteren, Großstädte genannten, Straßendörfern im Niger ging es zurück gen Niamey (zehn Stunden). Kurz vor Niamey hatte es den Anschein, dass die Touareg Rebellen nun wieder gen Süden vorgestoßen sind, um AUSGERECHNET meinen Bus anzugreifen. Denn auf einmal gab es einen Knall, der den ganzen Bus aufschrecken ließ. Es war zum Glück nur ein Reifen geplatzt und kein Schuss gefallen: IMG_1181. Da es nur ein Reifen der Doppelbereifung war, sah die Mannschaft von der berüchtigten Busgesellschaft Rimbo keine Not ihn zu wechseln und fuhr weiter. In Niamey musste ich einen Siebdruck Rahmen für mein Jutebeutelprojekt abholen, um dann für drei Nächte aufs Dorf zu fahren. Nach diesem Zwischenstopp ging es, zum ersten mal komfortabel im Bus, nach Ouagadougou: IMG_1240, Hauptstadt Burkina Fasos, wo ich diese Zeilen nun schreibe. Hängt wohl damit zusammen, dass die Première Dame, Gattin des Diktators Blaise Campaoré, der Thomas Sankara putschte, mehr Kapital hat, um bessere Busse zu kaufen. Dass die Gesellschaft ihr gehört habe ich erst hier erfahren – schäme mich trotzdem. Naja um zu einem Ende zu kommen, ich habe seltsamerweise vor keiner hier erwähnten Reisen mehr als eine Stunde geschlafen. Im Bus, aus Angst vor Dieben, auch nicht. Im Abenteuer Urlaub schläft man auch sonst kaum. Dies könnte als Entschuldigung dienen, dass ich einmal sogar mit Zahnbürste im Mund, beim Zähneputzen(!) eingeschlafen bin. Wünscht mir eine gute Heimreise und bis bald! P.S.: Die Bus-Gesellschaft von der Diktatorenfrau wurde übrigens von keinem Polizist, Gendarm oder Zöllner zum schmieren angehalten… Africa wants to be free, oder mit den Worten Sankaras: la patrie ou la mort, nous vaincrons

Wahrscheinlich werde ich weinen…

April 28, 2009

… Wenn ich, wieder zurück in deutschland, an die himmelschreiende ungerechtigkeit denke. Doch jetzt bin ich froh, wieder einmal zeuge dessen sein zu dürfen, zu lernen und dabei noch günstig was zu essen zu kriegen. Am dorfplatz hat sich zu mir und einem freund (ein kaffee, milchpulver und tee verkaufender konvertit) der dorfmissionar gesetzt (ein einheimischer im dienst einer dieser us-amerikanischen evangelikalen kirchen). Nach etwas plausch hat mir mein freund dann gesagt, wir könnten uns gemeinsam einen karton tütensuppen kaufen:

Spende der Mission

Der ewig misstrauische manuel roch den braten und biss beherzt zu! Natürlich mit dem ersten gedanken dieses ewige spiel des bösen im heiligen solidarischen gewand zu denunzieren und einen gewissen selzsamen fuchs darauf aufmerksam zu machen. Wir kauften uns für knapp einen euro 216 portionen getrocknete fertig reisgerichte, die nicht zum verkauf, sondern für hungernde kinder gedacht sind. Wer sich mit der materie nahrungshilfe auseinandersetzt weiß, dass es nicht nur ein zeugnis von korruption und raffgier ist, sondern diese unter dem marktpreis auf den märkten verkauften lebensmittel den lokalen bauern die preise kaputt machen und somit die landwirtschaftliche entwicklung und die selbstversorgung der ehemals sog. Dritten welt verunmöglichen. Nachdem der deal über den tisch war, kamen dann noch alte geschichten auf. Von letztem mal, als etliche kartons von einen „betrüger“ hier aufgekauft wurden, und dann auf dem nächsten markt en detail teurer vertickt wurden. Da ärgert sich der dieb über die weitere wertschöpfung mit seiner hehlerware – ohne ihn. ich denke mir, so teurer der mist wird, umso besser für die bauern und langfristig die handelsbilanz hier. Unglaublich, dinge live mitzuerleben, die mich sonst nur schwarz auf weiß in jean ziegler büchern erzürnen. Auf anfrage nenne ich das „hilfswerk“ was dahintersteckt gerne, ansonsten füge ich es wenn ich hier weg bin diesem artikel bei. Einen beutel dieser nahrung versuche ich auch mitzubringen. Um nicht allzu trocken nach so langer funkstille abzuschließen: ich habe mittlerweile zwei rassehähne, ein gemischtes (gerade 11 eier ausbrütendes) huhn und einen ziegenbock, den ich großfüttere und bevor ich abfliege zum abschied eigenhändig schlachten will. „wer kein vegetarier sein will, sollte sowas mal machen können“ um es mit den schönen worten pauls zu sagen, der auch schon einen hahn verarbeitet hat. Liebe grüße und bis bald, geliebte freunde

Hilfe, die Helfer!

März 17, 2009

nach wieder einmal langer zeit ohne blogeintrag etwas, was mich echt verblüfft hat. vor zwei wochen kam eine gruppe franzosen in die giraffenzone um sich das ergebnis ihrer guten taten anzuschauen. es waren übliche zahler eines privaten vereins, der in afrika die wirtschaftenden „nichtregierungs organisationen“ für gute taten bezahlt, wie betonbrunnen dort zu bauen, wo die leute vorher traditionelle brunnen bauten. naja, fangen wir erst einmal von vorne an. nachdem ich mit meinem kollegen eine ca.50 köpfige frauengruppe, in deren gemüsegärten ein brunnen gebaut wurde, morgens um 8 zusammengetrommelt haben und mit diesen dann drei stunden auf die verspäteten franzosen und hohen tiere der NGO (mit der ich arbeite) gewartet haben, brausten drei dicke toyota landcruiser an:

Adventure aid

Adventure aid

es sprangen etwa 8 aufgeregte franzosinnen und franzosen heraus, rasten wie beim ostereiersuchen in die sitzenden mitglieder der frauengruppe und rissen einige von diesen an den händen auf, kreischten vernügt und drehten sich mit den festgehaltenen im kreis bis sie noch roter waren, als in der mittagshitze sowieso schon. dann wurde sich auf die einzigen stühle gesetzt und geredet, die gärten beschaut und über die schönen augen der kinder geredet. nach diesem procedere gings ins nächste dorf um mikrokredite auszuteilen. jeder wollte natürlich auch ein paar scheine verteilen, die hand der begünstigten schütteln und sagen „viel glück“. als ich das etwas rutinierter – ohne herzergreifende szene – machte, maulte natürlich der ein oder andere. ich weiß nicht ob das verstörende durch diesen eintrag nachvollziehbar wird, aber ich war – vor allem bei ihrer ankunft – so baff/perplex/in verlegenheit gebracht, dass kein raum für eine angriffslustige fotosession war. ein paar fotos gibts aber doch – spätestens wenn ich wieder da bin.

nach viel nachdenken, wut und belustigung bin ich zu dem neutralen schluss gekommen, dass man im westen all zu oft einfach nicht weiß, mit wem man es zu tuen hat.

Gesund und munter

Februar 11, 2009

Liebe leute, nach fünf tagen und fünf nächten am tropf (intravenöse injektion) bin ich nun seit freitag wieder auf freien fuß und nehme seit sonntag auch keine medikamente mehr. Thyphus hat sich als fehldiagnose herausgestellt, aber den rest hatte ich angeblich. Ich fühle nur noch die schwäche durch das ewige im bett liegen. Man kann also beruhigt sein. Die vergangenen tage ist nichts erwähnenswertes passiert, bis auf eine demo, die ich aber nur von außen miterlebt habe. Montag ist (ich meine zum vierten mal) jahrestag der erschießung von drei studenten, im laufe einer studentendemo mit ausschreitungen, gewesen. Es ging damals wie immer um die schlechten studienbedingungen, wie nicht ausreichend vorhandene busse und nicht-zahlung der staatlichen stipendien, wo alle studenten solidarisch werden. Da einmal ein weißer, bzw. Seine luxuskarosse angegriffen wurde im laufe solch einer gedenkdemo, raten die botschaften zu hause zu bleiben. Die wichtigsten kreuzungen werden übrigens auch traditionell blockiert, diesmal aber nicht randaliert. Der wüstenstaub legt sich übrigens endlich und es wird immer heißer hier. Hört sich nach weniger krankheit und mehr schlappheit an. In dem sinne: bis zum nächsten mal!

Tropenkrankheiten ahoi!

Februar 4, 2009

Sorry für die viel zu lange sendepause, aber da ich erst seit gestern mit der hälfte der zeit hier rum bin, kann ich mich ja noch bessern! Und natürlich danke an dich, der/die du noch immer vorbeischaust! Hier ist im moment Harmatan, die zeit der sandstürme. Feiner Sand aus der sahara, der jedes jahr über wolken new york erreicht und dort heftige grippezellen auslöst, macht auch hier viele menschen (und mich) krank. trockene nasen, verstaubte lungen und grippe. Ich schleppe das seit knapp drei wochen mit mir rum. Letzte woche haben alle deutschen freiwilligen hier im niger zwischenseminar gehabt. Um auf den titel zurück zu kommen: nach zwei tagen seminar und reichlich kopfschmerzen und schlaflosigkeit bin ich vergangenen mittwoch mal zum arzt in eine klinik gegangen. Der hat 40 grad fieber festgestellt und gesagt ich muss da bleiben. Am nächsten morgen wurde ich mit künstlich gesenktem fieber nach haus geschickt. Im typischen sahel taxi mit räucherstäbchen im kofferraum, din A4 großen religiösen aufklebern auf der brüchigen windschutzscheibe, viel hitze und nicht zu vergessen monotones gebet aus dem kassettenspieler fuhr ich dann mit wiederkehrenden kopfschmerzen gen weltwärts haus. Zwei tage später, ausgerechnet in DER partynacht hab ichs dann nicht mehr ausgehalten. Mitten in der nacht aufgewacht zwecks magenentleerung fieberte es wieder mit 40 grad. Mit einer sms hab ich dann einen mitfreiwilligen auf mich aufmerksam gemacht, der auch im handumdrehen da war. Dann kamen noch 6 weitere freiwillige verschiedener nationalitäten rein und haben diskutiert ob man mit krankenhaus bis morgen warten kann oder besser doch eine nacht und nebel aktion macht. Das dauerte von 2:45 uhr bis halb fünf… Ich habe aber auch kalte umschläge bekommen! Als ich dann endlich im krankenhaus ankam wurde dann alles vom aufenthalt vor 3 tagen revidiert. Nichtmehr nichts wurde in blut- und stuhlproben gefunden, sondern typhus, Malaria, parasiten (amöben) und salmonellen. Nicht zu vergessen die grippe. Nun liege ich seit sonntag (4 tage) in der schlechten besten klinik eines 12 millionen einwohner zählenden landes, wo ich auch schon mal mit einen teppich – wegen laken mangels – zugedeckt werde und die schränke auseinander fallen. Ärzte gibts nachts nicht und am tag machen sie 2 stunden mittagspause (davon zwei europäer (der einen gehört das KH) und zwei nigrer habe ich schon zu gesicht bekommen). Seit vier tagen hänge ich am tropf, habe eine intravenöse infusion mit bis zu drei verschiedenen flüssigkeiten auf einmal. Das fieber ist endlich gesenkt, aber die kopfscherzen mögen mich noch immer. Aber ich schreib sobald es mir besser geht. Spätestens in zwei wochen! Gutgemeinte kommentare und mails sind nach wie vor willkommen, und wie immer bei den lottozahlen: der rechtsweg ist ausgeschlossen!

Jaja,Weihnachten…

Dezember 24, 2008

Good morning!, würde der amerikaner sagen. Naja, worauf ich hinaus will ist, das ich eine nette verfrühte weihnachtsfeier hinter mir habe. Ein befreundeter peace corps freiwilliger hat mich dazu nach Dosso eingeladen. Dosso ist eine ziemlich große stadt, die etwa 140 km von niamey entfernt an der hauptstraße liegt. Es gab viel kitsch, cookies und viele neue leute. Nach einem anschließenden umtrunk und 2 std. Schlaf, sitze ich nun angeschwipst im bus nach niamey um weiter zu machen und einen offiziellen bericht über mich hier zu schreiben. Bevor ich dies nun alles wieder lösche, bis ganz bald! P.s. Frohe feiertage!

Mal wieder in der stadt

Dezember 7, 2008

Hallo und danke für die fortwährende treue zu meinem blog! Es gibt einiges, was mir seit wochen auf der zunge brennt, deshalb fang ich ohne weiteres an euch mit den news zu versorgen: mein ländlicher freundeskreis wird immer größer, nach mehr und mehr us-amerikanischen peace corps freiwilligen hab ich nun auch einen japanischen freiwilligen kennengelernt, der mit frauengruppen aus N’gonga – meinem dorf – zusammenarbeitet. Dieser hat sich nun der praktik halber eine kleine hütte angemietet. Echt ein lustiger kerl! Er bringt mir grad „japanisches ching-chang-chong“ mit 45 zeichen bei. Mit wechselnden amis mache ich nun einmal wöchentlich eine 30 minütige radioshow in der wir, von einem zettel ablesend, in kleinen sketchen die ländliche bevölkerung für themen wie die organisierung in lockeren arbeits- bzw. Investitionsgemeinschaften sensibilisieren. ACH! beinahe hätt ichs vergessen: ich werde sportlehrer! Da es der mittelstufe bei uns daran mangelt wurde mir angeboten das ehrenamtlich zu übernehmen. Zwar warte ich nun seit geraumer zeit auf den mir versprochenen stundenplan und die herrichtung eines angrenzenden feldes. Aber es wird schon werden, „inshallah“ (so gott will…). Das wars erstmal zu meiner beschäftigung. Jetzt noch eine anekdote: in einem nachbardorf (tsedey) lebt ein regional bekannter und aktiver handydieb (anders als in togo haben hier nur akut beklaute etwas gegen diebe). Die rede ist von bona, bona tsedey (das unglück von tsedey). Dieser junkee (ja sowas gibts hier) hat einen schönling mit nem schwert (ein peulh, zu dieser ethnie komme ich bei gelegenheit) seines handys erleichtert. Nach einem disput und einer schlägerei, die zugunsten des diebes ausfiel, zog der peulh sein schwert, wonach bona griff. In den folgenden sekunden wurden des diebes werkzeuge etwas malträtiert. Rufe von schaulustigen verhinderten aber gravierenderes. Am folgetag sah ich bona notdürftig mit schmutzigen stoffen verbunden an dorfplatz hocken. Einen tag darauf hörte ich christliche missionare waren zufällig auf ihrer werbe und geschenktournee vorbeigekommen und hätten ihn mitgenommen. Wiederum ein paar tage später sah ich bona mit sauber verbundenen händen und christlichem taschengeld am dorfplatz essen und einen käufer für das hart erstandene handy suchen. Die missionare sagten er würde nie wieder stehlen, jetzt wo er gottes barmherzigkeit und menschliches mitleid erfuhr. Möglich. Denn ich sah ihn vor kurzem rythimisch wippend – am dorfplatz, wenige meter vom „handyverkaufsort“ – singen: „AMEN AMEN HALLELUJA – HALLELUJA A-A-AMEN!“. Huch, heut ist sonntag – ab in die kirche!

Isolation!

November 8, 2008

Liebe leute! Entschuldigt meine lange nachrichtenpause. Das problem ist, dass mein handyinternet vom dorf aus seit wochen nicht mehr funktioniert. Ist wohl ein regionales problem, denn in der hauptstadt klappt es (da bin ich grad, auch um ein lebenszeichen zu schicken). Arbeitsmäßig gibt es zu berichten, dass ich als geldeintreiber für mikrokrediete, die vor der aussaat zur beschaffung von dünger gegeben wurden, eingesetzt wurde. Die 30 bauern sind, nachdem ich ankam innerhalb einer stunde eingetrudelt und haben gewissenhaft ihre sog. „schuld“ beglichen. Sie waren von dem ergebnis begeistert und berichteten mir, dass sie bis zu 50 prozent höhere erträge erzielten. Bei diesem sandboden erstaunlich! Dabei muss man bemerken, dass dieses jahr die regenzeit, die in vielen westafrikanischen küstenländern überflutungen verursachte, dem niger sehr gut tat – höchste niederschläge seit 80er jahren. Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass ich von nun an nicht mehr bekocht werde. Nach einem missverständnis, was zur meinungsverschiedenheit wurde, bekam ich plötzlich nichts mehr. Mit der nigrischen mentalität muss ich noch lernen mich besser zu arrangieren. Joa… Meinem hahn gehts wieder super, nachts wird es jetzt arschkalt – tags bis zu 40 grad, nachts nur ca. 10. Solche temperaturschwankungen können einen sogar aufwecken! Was gerade auch sehr interessant ist, ist das vertrocknen der „hirsestiele“ nach der regenzeit. Auf einmal kann man bei der lichter werdenden landschaft den blick viel weiter schweifen lassen. Ganze baumlandschaften und dünen erscheinen wie aus dem nichts. Ich hoffe ihr werdet nach meiner rückkehr gefallen an den fotos finden. Stellt euch bis auf weiteres auf seltenere beiträge ein, aber bleibt weiter dabei! Freu mich immer auch über emails mit neuigkeiten von euch. Bis bald!

Nun also auch der zäheste

Oktober 13, 2008

Nachdem ich als einziger von uns weltwärtslern (ww’ler) keinen durchfall hatte, von amöbenruhr, parasiten und sonstigen tropenkrankheiten verschont blieb, lag nun auch ich einen tag flach. Am donnerstag hab ich bei der bohnen- und hirseernte geholfen und mir beim hirsebündel auf den stierkarren hieven – aufgrund der scharfen kolben – die unterarme wundgeschrammt. Das selbe prozedere dann beim abladen am kornspeicher… Am nächsten morgen fühlte ich mich nicht besonders gut. Da aber an diesem freitag nach harikanassou zu michael geladen wurde und neben allen 9 niger ww’lern auch 3 vom vorbereitungsseminar bekannte burkina faso ww’ler kommen sollten, konnte ich mir das trotz unwohlseins nicht entgehen lassen. Problem: freitag kein markt, freitag kein markt = freitag kein buschtaxi. Da ich nicht völlig verschwitzt in die große runde treten wollte, bin ich idiot die 9 kilometer holper-schotter-hügelpiste nicht mit dem fahrrad, sondern zu fuß gegangen. Und da ich mich so schwach fühlte, hab ich den für 8 h geplanten aufbruch um 2 std. Verschoben – 10 minuten vor anbruch der mittagshitze… Als ich dann ankam nach 2 1/2 stunden schattenlosen laufens mit gepäck, gehstock und castro cap fing das fieber an. Als das termometer nach ein paar stunden auf 31 grad im schatten fiel hat sich dann noch der schüttelfrost zu mir gesellt. Am nächsten morgen (samstag) hat sich das fieber gelegt und wurde von bis heute andauernden hals- und kopfschmerzen sowie übelkeit abgelöst. Mein glück im unglück war, dass samstag bei mir im dorf (n’gonga) markttag ist. Ich musste den weg also nicht zurücklaufen, sondern hatte den luxus zu zweit auf dem beifahrersitz eines nostalgischen, zum bus umgebauten expeditionsfahrzeugs sitzend in nur 10-15 minuten anzukommen. Selzsam war nur (achtung, dr. Selzsam von www.selzsam.blogspot.com nähert sich), dass zwischen mir und dem vierten mann im führerhäuschen die heiße luft aus dem motor aufstieg. Wurd wohl aus der arktis importiert… Nun werd ich, um sicherzugehen, das ich keine malaria mit mir rumschleppe, sobald ein buschtaxi in die stadt fährt, wo es busse nach niamey gibt, losfahren und einen arzt aufsuchen. Und übrigens, meinen hahn taufe ich piggeldi! Ich wünsch euch was


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